Regenwurm, wo bist Du? - Erntedank in der Kita
28. September 2026
Vom Samen bis zur Ernte: Wie Kinder in der Kita beim Gärtnern Natur erleben, Achtsamkeit lernen und Erntedank mit allen Sinnen feiern.
Was braucht ein Samen zum Wachsen?
Die Kinder der Kitagruppe sitzen um einen großen Tisch. Es ist Frühling und heute wollen sie Pflanzen für die Hochbeete des Kindergartens vorbereiten. Auf den Tisch liegen kleine Tütchen mit Samen. Zucchini, Radieschen, Kürbis, Mangold und vieles mehr ist dort zu lesen. Daneben liegen kleine Blumentöpfe und der Sack mit der Blumenerde.
Die Kinder nehmen sich jeder einen Topf. Ein Junge schaut in seinen Topf und ruft: „Regenwurm, wo bist Du?“ Dann befüllt er das Gefäß mit Erde und setzt einen Samen hinein und stellt ihn mit den anderen Kindern auf die Fensterbank. Der Junge hat vielleicht schon ein Wissen darum, was es braucht, das aus einem kleinen Samen eine Pflanze wird: Sonne, Wasser und Erde mit ihrer Fauna (z.B. auch Regenwürmer). Ein Bewusstsein für biologische Abläufe wird sich beim Gärtnern bei den Kindern anbahnen.
Achtsamkeit und Staunen
Später kommen die Pflanzen ins Hochbeet nach draußen. Sie wachsen über den Frühling bis die Kinder sie im Sommer oder im Herbst ernten. So erfahren sie den Wechsel der Jahreszeiten. Sie sehen die Pflanzen reifen, ernten Obst und Gemüse und sehen später die Pflanzen absterben.
Bis es so weit ist, brauchen die Pflanzen in den Hochbeeten Pflege. Die Kinder werden von den Erzieher:innen angehalten, sie zu gießen und Wildkräuter zu jäten. So lernen die Kinder spielerisch, dass Erdbeeren oder Radieschen nicht selbstverständlich im Supermarkt zu kaufen sind, sondern Arbeit und Zeit dahinterstecken. Das schult ihre Achtsamkeit im eigenen Umgang mit Lebensmitteln. Vielleicht staunen auch einige Kinder darüber, dass Pflanzen „einfach so wachsen“ und die Früchte „einfach so lecker schmecken“. Wer hat das alles noch einmal gemacht?
Im Herbst ernten die Kinder das Gemüse. Die Erzieherin fragt die Kinder, was sie mit Mangold, Kürbis und Kartoffeln „anstellen sollen“. Ein Junge schlägt vor, etwas daraus zu kochen. Gemeinsam schnibbeln die Kinder nun und dann kommt alles in einen großen Topf. Als das dampfende Gemüse auf dem Teller zum Essen bereitsteht, sagt ein Mädchen: „Das haben alles wir gemacht!“ Gemeinsames Kochen stärkt das Wir-Gefühl, besonders, wenn die Lebensmittel aus der eigenen Produktion kommen. „Und Gott war auch dabei und hat aufgepasst!“ sagt die Erzieherin.
Gott, wir danken Dir!
Um den ersten Sonntag im Oktober (Erntedank-Fest) halten die beiden Erzieher:innen eine kleine Andacht mit den Kindern. In der Mitte des Morgenkreises legen sie mit Tüchern die biblische Schöpfungsgeschichte nach. Sieben Tage dauerte es, bis Gott Himmel und Erde „gemacht“ hatte. Die Kinder legen die passenden Gegenstände dazu: Wolken, Sonne, Mond und Sterne, Tiere und Pflanzen (auch Mangold, Kürbis und Kartoffeln), und zwei menschliche Figuren und einen kleinen Sonnenstuhl für den Ruhetag.
Bunt und vielfältig, geordnet und auch ein bisschen chaotisch liegt das Schöpfungsbild bald da. Die Erzieher:in kommentiert: „Und Gott sah alles, was er gemacht hatte. Und siehe! Es war sehr gut!“ „Und schön ist es auch!“, fügt ein Mädchen hinzu.
Für Kinder ist dies eine altersgerechte Form, um über Staunen, das Leben, die Natur und Gott und über das eigene Gärtnern nachzudenken, unabhängig von der eigenen Konfession und Religion.
Zum Schluss singen die Kinder:
Du hast uns deine Welt geschenkt,
den Himmel die Erde!
Gott wir danken Dir!